Kennen Sie das? Im Oktober beginnt die Heizperiode, die Heizung läuft fast jeden Tag, und nach ein, zwei Wochen fühlt sich das Haar anders an. Die Spitzen werden rau, die Längen laden sich am Pullover auf, und morgens steht die Frisur ab, als hätte man sie auf höchster Stufe geföhnt – obwohl der Föhn im Schrank geblieben ist. Gleiches Shampoo, gleiches Wasser. Verändert hat sich die Luft.
Warum das Haar in einer beheizten Wohnung austrocknet
Haar tauscht ständig Feuchtigkeit mit der Luft aus. Im Sommer gibt es draußen und drinnen genug davon, und die Längen halten sie von selbst. Im Winter sieht es anders aus: Kalte Außenluft ist fast trocken, und wenn die Heizung sie erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit im Raum noch weiter. Das Haar gibt Wasser schneller ab, als es welches aufnehmen kann.
Zuerst geben die Spitzen nach. Sie sind der älteste Teil des Haares, am häufigsten gekämmt, geföhnt und mit Haargummis zusammengebunden, die Schutzschicht ist dort schon dünner. Deshalb trifft der Winter selten den ganzen Kopf auf einmal. Am Ansatz fettet das Haar wie immer, die unteren zehn Zentimeter brechen.
In München kommt noch etwas dazu: der Föhn. Nicht der aus dem Bad, sondern der Wind aus den Alpen. Er bringt warme, sehr trockene Luft, und an solchen Tagen wird das Haar selbst bei Menschen kraus, die sonst nie darüber klagen. Wenn die Frisur an einem Tag hält und am nächsten ohne erkennbaren Grund absteht, lohnt sich ein Blick auf den Wetterbericht.

Woran Sie erkennen, dass die Luft schuld ist und nicht die Pflege
Bevor Sie das ganze Badregal austauschen, prüfen Sie ein paar Dinge:
- Das Haar ist genau mit Beginn der Heizperiode schlechter geworden, obwohl sich an der Pflege nichts geändert hat;
- es lädt sich an Mütze, Schal oder Pullover aus Kunstfaser auf;
- die Spitzen brechen, am Ansatz ist alles in Ordnung;
- auch Hände und Lippen werden trocken.
Treffen mindestens drei Punkte zu, bringt ein Shampoowechsel auf gut Glück wenig. Erst die Luft in den Griff bekommen und einen Pflegeschritt ergänzen.
Wie Sie die Luft in der Wohnung im Winter befeuchten
Das gute alte Stoßlüften hilft hier. Mehrmals am Tag das Fenster für 5-10 Minuten weit öffnen ist besser als ein dauerhaft gekipptes Fenster: Der Raum kühlt nicht aus, die Wände bleiben warm, und die Luft wird trotzdem ausgetauscht.
Für Wohnräume wird meist eine relative Luftfeuchtigkeit von 40-60 % empfohlen. Ein Hygrometer kostet im Drogeriemarkt ein paar Euro, und schon nach dem ersten Abend sehen Sie, wie trocken es im Schlafzimmer wirklich ist. Liegt der Wert deutlich darunter, hilft ein Luftbefeuchter. Er gehört nicht direkt an die Heizung oder an die Wand, sondern so in den Raum, dass sich der Dampf verteilen kann.
Zwei Kleinigkeiten, die oft übersehen werden:
- Wäsche auf der Heizung zu trocknen bringt für die Luftfeuchtigkeit weniger als gedacht, denn der Dampf schlägt sich an Wänden und Fenstern nieder, statt im Schlafzimmer zu bleiben;
- ein Kissenbezug aus grober Baumwolle reibt das Haar nachts stärker auf als Seide oder Satin. Im Winter merkt man den Unterschied schon nach einer Woche.

Leave-in-Pflege für trockenes Haar: Warum die Spülung im Winter nicht reicht
Spülung oder Maske wirken ein paar Minuten und werden dann ausgewaschen. Danach trocknet das Haar im warmen Bad, dann der Flur mit voll aufgedrehter Heizung, draußen Frost, in der Tram wieder Wärme. Über den Tag erlebt das Haar mehrere Wechsel, und was die Spülung gegeben hat, reicht für diese Strecke nicht aus.
Hier kommt ein Leave-in ins Spiel. Es bleibt bis zur nächsten Haarwäsche in den Längen und gibt nach und nach Feuchtigkeit ab. Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier eine Erklärung, was Leave-in-Pflege ist und worin sie sich von einer Spülung unterscheidet. Für die Heizperiode gilt eine Regel: nur in Längen und Spitzen, nicht auf die Kopfhaut. Sonst sieht der Ansatz am Abend ungewaschen aus.
So sieht das im Alltag aus. Nach dem Waschen das Haar mit dem Handtuch ausdrücken, nicht rubbeln. Das Leave-in-Spray in die feuchten Längen sprühen und mit einem grobzinkigen Kamm von den Spitzen aufwärts durchkämmen. Wenn das Haar tagsüber wieder fliegt, ein paar Sprühstöße in die trockenen Längen geben. Für Feuchtigkeit ohne Hitzeschutz eignet sich zum Beispiel das Sea Balance Spray von Xiaomoxuan: Es enthält Panthenol und wird nicht ausgespült. Wer täglich föhnt, greift besser zu einem Produkt mit Hitzeschutz, denn heiße Föhnluft auf ohnehin trockene Heizungsluft ist doppelte Belastung.

Einmal pro Woche eine Maske für trockenes Haar – keine Spielerei, sondern Absicherung
Das Leave-in hält die Feuchtigkeit täglich in den Längen. Eine Maske arbeitet tiefer, dafür seltener. Im Winter sollte man sie nicht auslassen: ein Abend pro Woche, 5-10 Minuten im feuchten Haar, dann gründlich mit eher kühlem Wasser ausspülen.
Am meisten profitieren lange, gefärbte, blondierte oder regelmäßig geglättete Längen. Für solches Haar eignet sich eine Kollagen-Haarmaske für trockenes Haar: Sie glättet die Längen, danach lässt sich das Haar leichter kämmen. Am besten ab der Mitte der Längen nach unten auftragen, am Ansatz braucht es die Maske meist nicht.

Ein Tipp aus der Praxis: Fühlt sich das Haar nach der Maske schwer an, war es zu viel Produkt oder es wurde nicht gründlich genug ausgespült. Für langes Haar reicht eine walnussgroße Menge, mehr nicht.
Darf man nasses Haar kämmen und wie macht man es im Winter richtig
Trockenes Haar reißt dort, wo man daran zieht. Am schlechtesten ist es, nasses Haar mit einer engzinkigen Bürste vom Ansatz nach unten zu kämmen. Besser so:
- Zuerst die Spitzen mit den Fingern oder einem grobzinkigen Kamm entwirren.
- Dann ein Stück höher gehen und die Mitte der Längen durchkämmen.
- Erst zum Schluss vom Ansatz aus kämmen.
Langes Haar über Nacht zu einem lockeren Zopf oder Dutt mit Seidenhaargummi binden. Offenes Haar reibt die ganze Nacht am Kissen, und morgens warten die Knoten.

Wenn auch das Wasser austrocknet
Die Heizung ist nicht der einzige Grund für trockenes Haar im Winter. In vielen deutschen Städten ist das Leitungswasser hart, nach dem Waschen bleibt ein Belag auf dem Haar. Er macht die Längen rau, auch wenn die Raumluft stimmt. Am Beispiel Berlin lässt sich nachlesen, warum auch Leitungswasser austrocknet und was dagegen hilft. Der Mechanismus ist derselbe, die Tipps passen auch für München.
Kurz gefasst: das Winter-Minimum für trockenes Haar
- Hygrometer im Schlafzimmer und Stoßlüften statt Dauerkippstellung.
- Leave-in nach jeder Haarwäsche in die Längen, tagsüber bei Bedarf nachlegen.
- Einmal pro Woche eine Maske, ab der Mitte der Längen.
- Von unten nach oben kämmen, nachts ein lockerer Zopf.
- Mütze mit Seiden- oder Satinfutter, wenn das Haar lang ist und sich ständig auflädt.
Ganz besiegen lässt sich die Heizperiode nicht, die Heizung läuft bis April. Aber der Unterschied zwischen Haar, das den Winter einfach erträgt, und Haar, um das man sich kümmert, ist schon nach zwei, drei Wochen sichtbar. Meist reicht ein einziger neuer Schritt: der, der nach dem Duschen im Haar bleibt.