Richard Strauss war ein herausragender deutscher Komponist der Spätromantik, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Sein musikalisches Erbe ist vielfältig und umfasst alle Formen klassischer Kompositionskunst. Besonders bekannt wurde er jedoch für seine Opern und Tondichtungen. Gleichzeitig birgt die Lebensgeschichte des Münchner Virtuosen „dunkle Flecken“, die mit dem Dritten Reich verbunden sind. Lesen Sie mehr über diesen außergewöhnlichen Komponisten auf munich-trend.eu.
Das Wunderkind
Richard Strauss wurde am 11. Juni 1864 in München geboren. Sein Vater war Erster Hornist im Orchester der Meininger Hofkapelle, und seine Mutter entstammte der bekannten Münchner Brauerfamilie Pschorr.
Bereits mit vier Jahren begann Strauss Klavier zu spielen und besuchte bald darauf die Proben des Orchesters. Mit sechs Jahren komponierte er sein erstes Werk. Während seiner Schulzeit widmete er sich intensiv der Musik und schrieb bis zu seinem Schulabschluss über 140 Werke, darunter Kunstlieder, Kammermusik und Orchesterstücke. Dank der Verbindungen seines Vaters lernte er nach der Schule führende Musiker seiner Zeit kennen.
1882 begann Strauss ein Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität München, brach es jedoch nach einem Jahr ab, um nach Berlin zu ziehen. Dort hielt er sich nicht lange auf, da ihn 1885 der Dirigent Hans von Bülow einlud, als Assistenzdirigent beim Orchester der Meininger Hofkapelle zu arbeiten, einem der ältesten und traditionsreichsten Orchester Europas.
Frühe Karriere und die Begeisterung für Wagner
In Meiningen traf Strauss auf den Komponisten und Geiger Alexander Ritter, der seine Begeisterung für die Musik Richard Wagners verstärkte. Ritter war mit einer Nichte Wagners verheiratet. Diese Leidenschaft hielt Strauss vor seinem Vater geheim. Richard Wagner, ein Komponist und Dirigent aus Leipzig, schrieb nur 13 Opern, von denen jedoch zehn zu Welthits wurden. Seine Werke sind jedoch auch durch Antisemitismus belastet, da er jüdische Musiker stark kritisierte. Wagner war zudem Adolf Hitlers Lieblingskomponist. Strauss’ Vater hingegen ermutigte seinen Sohn, Komponisten wie Mozart, Haydn und Beethoven zu bewundern.

Die frühen Werke von Strauss waren recht konservativ, doch unter Ritters Einfluss änderte sich dies. Er riet ihm, klassische Formen zugunsten der symphonischen Dichtung aufzugeben, ähnlich wie der ungarische Komponist Franz Liszt. Während seines ersten Aufenthalts in Italien schrieb Strauss 1886 Aus Italien.
1889 dirigierte Strauss in Weimar die Uraufführung seiner Tondichtung Don Juan. Der triumphale Erfolg dieses Werkes machte ihn zum Nachfolger Wagners und markierte den Beginn seiner erfolgreichen Karriere als Komponist. Don Juan war das erste Werk, das Strauss als gereifte Persönlichkeit präsentierte.

Dirigentenkarriere und musikalische Höhepunkte
Strauss arbeitete als dritter Dirigent der Münchner Oper (1886–89), Direktor des Weimarer Orchesters (1889–94) sowie als Dirigent und späterer Direktor der Berliner Königlichen Hofoper (1898–1919).
1898 und 1899 brachte er zwei seiner ambitioniertesten Tondichtungen heraus: Don Quixote und Ein Heldenleben. 1904 unternahm er eine Tournee in den USA, bei der er in New York seine Sinfonia domestica präsentierte. Ein Jahr später feierte er in Dresden die Premiere der Oper Salome, basierend auf einem Drama von Oscar Wilde. Obwohl die Oper teilweise als blasphemisch und anstößig kritisiert wurde, wurde sie ein Triumph in den großen Opernhäusern der Welt, mit Ausnahme von Wien, wo die Zensur sie verbot.
1909 folgte die Oper Elektra, die erste Zusammenarbeit mit dem österreichischen Dichter Hugo von Hofmannsthal. In den folgenden 20 Jahren schufen sie gemeinsam fünf weitere Opern, darunter die berühmte Rosenkavalier.
Zusammenarbeit mit dem NS-Regime
Nach 1908 ließ sich Strauss in Garmisch-Partenkirchen nieder und baute sich dort mit den Einnahmen von Salome eine Villa. 1919 wurde er Direktor der Wiener Staatsoper, doch seine Ernennung wurde als unglücklich angesehen, da die Nachkriegsstimmung ihn und andere spätromantische Komponisten als altmodisch bezeichnete. 1924 trat Strauss zurück.
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, wurde Strauss Präsident der Reichsmusikkammer. Obwohl er nie der NSDAP beitrat, arbeitete er mit dem Regime zusammen und hoffte, die deutsche Kunst und Kultur zu fördern. Strauss galt als politisch naiv und wurde 1935 gezwungen, seine Position aufzugeben, nachdem er mit dem jüdischen Dramatiker Stefan Zweig an der Oper Die schweigsame Frau arbeitete.

Während des Zweiten Weltkriegs schützte Strauss seine jüdischen Familienangehörigen und verbrachte einen Teil der Kriegszeit in Wien. Nach Kriegsende zog er in die Schweiz und kehrte 1949 nach Garmisch zurück, wo er im selben Jahr im Alter von 85 Jahren verstarb.
Persönliches Leben
Strauss heiratete 1894 in Weimar die Sopranistin Pauline de Ahna, die seine Muse und große Liebe war. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere – Pauline galt als temperamentvoll, Strauss als reserviert – war ihre Ehe glücklich und dauerte 55 Jahre. Pauline starb acht Monate nach ihrem Mann.

Interessante Fakten über Strauss
- Strauss war ein Pionier der Programmmusik, einer instrumentalen Musik mit literarischem Hintergrund.
- Er war Ehrendoktor der Universitäten München und Heidelberg und Mitglied der Berliner Akademie der Künste.
- Am Ende des Zweiten Weltkriegs schützten amerikanische Soldaten Strauss’ Anwesen mit einem Schild: „Betreten verboten“.
- In seiner Villa in Garmisch-Partenkirchen findet jährlich ein klassisches Musikfestival zu seinem Gedenken statt.






