Münchner Volkstheater: Die Geschichte des dramatischen kommunalen Theaters

Eines der beliebtesten kulturellen Zentren in der bayerischen Hauptstadt ist das Münchner Volkstheater, auch bekannt als „Theater für alle“. Es spezialisiert sich auf klassische und moderne Dramen sowie Komödien, die in einer populären und zugänglichen Weise präsentiert werden. Das Theater wird vom Kulturreferat der Stadt München verwaltet. Gegründet im Jahr 1903, hat es seinen Standort zweimal gewechselt. Mehr über diesen wichtigen Kunstort Münchens erfahren Sie auf munich-trend.eu.

Alte Gebäude

1903 wurde im Stadtteil Altstadt-Lehel (in der Nähe des Marienplatzes) ein Stahlbetongebäude mit 1.000 Sitzplätzen errichtet, das als Heimstätte des Theaters diente. Bereits ein Jahr später erlangte das Theater deutschlandweite Anerkennung. Das Gebäude wurde jedoch während des Zweiten Weltkriegs durch Bomben zerstört.

1955 wurde das Theater in der Briennerstraße im Haus der Sports als multifunktionaler Saal wieder aufgebaut. 1983 fand es schließlich seinen Platz an der Tumblingerstraße als Münchner Volkstheater. Dank eines jungen Ensembles und aufstrebender Regisseure blieben schon damals nur selten Plätze frei. Der Fokus lag auf Inszenierungen basierend auf klassischer Volksliteratur.

Das moderne Gebäude

2012 entstand die Notwendigkeit, das Theatergebäude zu modernisieren. Es fehlte an Platz für Lager, Werkstätten und Proberäume. Darüber hinaus war das Gebäude nicht barrierefrei: Besucher mit Behinderungen hatten keinen Zugang, und es fehlten ein Aufzug, eine Tiefgarage sowie ein zeitgemäßer Brandschutz. 2017 beschloss die Stadtverwaltung fast einstimmig, die Modernisierung des Theaters in Angriff zu nehmen.

Das neue Theater öffnete seine Türen im Jahr 2021 und beeindruckt mit einer hochmodernen Bühne. Der Backsteinbau mit seinen Bögen und geschwungenen Linien integriert sich in die umliegende historische Bebauung. Das Münchner Volkstheater gehört zu den modernsten Theatern Deutschlands und bietet Platz für 609 Zuschauer.

Das großvolumige Gebäude ist eine Antwort auf funktionale Anforderungen. Über der Backsteinbasis erheben sich technische Bereiche des Theaters, die eine obere Ebene bilden. Der Bühnenvorhang trennt die beiden Räume, wobei der eine ästhetische Herausforderungen bietet und der andere funktionale Aufgaben erfüllt. Aufgrund seiner Größe wird das Theater zu einem Blickfang im dicht bebauten Stadtteil.

Interessanterweise befanden sich an diesem Standort früher Stallungen und ein Schlachthof. Das Gebäude markiert den Beginn der städtebaulichen Entwicklung dieses Bereichs. Dort, wo einst Vieh gehandelt wurde, liegt heute ein gemischtes Stadtviertel.

Die erste Aufführung im neuen Theater war die Tragödie „Edward II“ des englischen Dramatikers Christopher Marlowe, die die Geschichte des englischen Königs Edward II erzählt, der von seinen Untertanen entmachtet und getötet wurde.

Ein breites Repertoire

Das Münchner Volkstheater zeichnet sich durch ein junges Ensemble und ein ebenso junges Publikum aus. Viele Schauspieler sind dem Publikum durch Rollen in Film und Fernsehen bekannt. Obwohl der Name „Volkstheater“ auf einen konservativen Ansatz hindeuten könnte, verbindet das Theater klassische Dramatik mit modernen und kreativen Inszenierungen. So umfasst das Programm klassische Stücke, zeitgenössische Geschichten und traditionelle Werke, die immer auf außergewöhnliche Weise präsentiert werden. Am Abend bietet das Theater Buch- und Lyriklesungen sowie Konzerte im Foyer.

Seit 2002 veranstaltet das Theater das Festival „Radikal Jung“, bei dem junge Regisseure ihre Arbeiten präsentieren können. Zwei Wochen lang zeigt das Münchner Volkstheater preisgekrönte Inszenierungen junger Talente aus dem gesamten deutschsprachigen Theaterraum. Seit 2006 gibt das Theater seine eigene Zeitschrift „Volksmund“ heraus.

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